Hufgesundheit im Winter

 
 

Tipps für gesunde Pferdehufe im nasskalten Winter

Diese Zeit des Jahres tut Hufen bekanntlich keinen großen Gefallen. (…und uns Reitern ebenfalls nicht 😉).
Unsere Pferde stehen entweder konstant im Wasser, konstant im Stall, oder wechseln zwischen einem nassen Paddock und einem trockenen Stall.


Problemfaktoren

💧Nässe

Riesen Pfützen im Offenstall oder auf einem Trail sorgen dafür, dass das Hufhorn oft sehr weich und somit anfälliger für Bakterien wird. Das aufgeweichte Hufhorn ist dadurch weniger widerstandsfähig und neigt deshalb zu "Blauen Flecken". Das ist Nährboden für potentielle Hufgeschwüre. 

💩 Mist

Man kann misten so gut man will: irgendwo und irgendwann steht das Pferd dann doch im eigenen Mist oder Urin. Das Hufhorn wird durch Ammoniak (dies entsteht beim Zersetzungsprozess von Kot und Urin) angegriffen. Ammoniak und dessen höherer basischer pH-Wert wirken sich aggressiv auf den Huf aus. Dadurch entsteht ein Nährboden für Strahlfäule.

💧♨️ Nass-Trocken Wechsel

Der ständige Wechsel zwischen nassem Paddock und trockener Einstreu stellt uns leider vor ein weiteres Problem.
Generell passen sich Pferdehufe relativ langsam an Umgebungseinflüsse an.

Einstreu, insbesondere Späne, kann sehr dehydrierend wirken und nassen Hufen zu schnell und zu viel Feuchtigkeit entziehen. Wie ihr das erkennen könnt? Schaut euch die äußere Hufwand an. Ist sie sehr spröde, könnte dies ein Indiz für zu wenig Feuchtigkeit sein.

(Ps: Apropos “Wechsel” – das gilt für wechselnde Umwelteinflüsse, sowie extreme Veränderungen in der Nutzung der Hufe. Wenn ihr sonst nur in der Halle reitet und auf einmal Wanderritt-Ambitionen habt, dann müsst ihr diese Veränderung so angehen, dass der Huf Zeit hat sich langsam an die neuen Bedingungen anzupassen.)

Tipps für gesunde Hufe

Ich höre euch seufzen "Kann man den nichts richtig machen?“ Ich habe hier ein paar Tipps, wie ihr es schafft, dass euer Pferdchen sich und euch auf gesunden Hufen durch die nasskalte Jahreszeit trägt!

DO: Kratz eure Hufe jeden Tag aus. Es hört sich selbstverständlich an, aber man weiß nie, was sich unter dem Schlamm versteckt und es gehört einfach zur Basishygiene. (Achtung ich widerspreche mich gleich!)

DO: Euer Pferd steht in der Box: Ich rate euch in diesem Falle dazu, den sogenannten “Dreck-Verschluss” (aus dem Englischen “Dirt Plug”), also festgebackenen Erde unter der Sohle, nicht auszukratzen. Dieser “Dreck-Verschluss” kann tatsächlich den Huf vor Mist oder Urin schützen, wenn dein Pferd nachts in der Box steht. Auch kann eine Schicht Schlamm den Huf vor dem oben genannten, schnellen Austrocknen bewahren.

⛔️ DON’T: Ich rate vom täglichen Waschen der Pferdebeine und Hufe ab! Vermeidet zusätzliche Nässe, sonst bekämpft ihr Feuer mit Feuer. Stattdessen schnappt euch ein paar alte Handtücher und rubbelt Beine und Hufe trocken, bevor es in den Stall geht.

DO: Beugt vor! Benutzt ein antibakterielles und/oder antimykotisch (gegen Pilze wirkendes) Produkt, nachdem ihr den Huf ausführlich gereinigt habt. Hierzu bereite ich euch demnächst ein kurzes Video vor, welches den Prozess illustriert. Ich benutze ein Hoof Spray zur Reinigung, sowie eine Art antibakterielle und antimykotische Knete, die sich prima 2–4 Tage am Huf „festhält“ und diesen schützt. So beugt ihr Strahlfäule vor, oder behandelt sie ohne aggressive Substanzen.

DO: Hufschuhe und medizinische Schuhe zur Rettung! Selbst wenn ihr sie nicht täglich braucht, es lohnt sich ein passendes paar Hufschuhe oder medizinische Schuhe zu besitzen. Diese dienen dazu, Hufe in leichtem Matsch oder im Stall sauber zu halten. Gerade wenn ihr Hufprodukte anwendet, welche in Ruhe und lange wirken sollen. Wichtig: Geht sicher, dass die Hufschuhe passen. Am besten lasst ihr sie eurem Pferd professionell anpassen.

⛔️ DON’T: Ich rate euch dazu keine aggressiven Mittel am Huf zu benutzen. Wasserstoffperoxid und ähnliche Bleichmittel versprechen eine schnelle Bekämpfung von Strahlfäule und Co., tun aber mehr Schlechtes als Gutes. 
Eine Regel dazu: Wenn ihr es nicht auf eure Haut schmieren würdet, dann nutzt es nicht für die Hufe eures Pferdes.

⛔️ DON'T: Ich rate euch, Hufe nicht mit Öl einzupinseln, wenn sie euch spröde und trocken erscheinen. Dadurch macht ihr es unmöglich für den Huf, wieder Feuchtigkeit aufzunehmen. Öl stößt Feuchtigkeit ab. Gute Hufqualität kommt von guter Ernährung und guter Hygiene. Wenn ihr dem Huf nach starker Nässe etwas Gutes tun wollt, dann trocknet ihn sanft und nutzt natürliche Produkte zur Vorbeugung.

Ganz am Schluss, der wichtigste Faktor: Generelle Hufgesundheit.

Ein gesunder Huf ist weniger krankheitsanfällig und um diese Gesundheit muss man sich beständig kümmern.

Ein Huf, der die richtigen Nährstoffe erhält, der genügend und funktional korrekt arbeiten darf (Bewegung, Hufbearbeitung und gutes Training), der Zeit hat sich anzupassen (Hufwachstum und Umwelteinflüsse) – So ein Huf hat bessere Chancen durch die matschige Jahreszeit (und generell durchs Leben!) zu kommen. 

Die gute Botschaft: Wir können die Hufgesundheit unserer Pferde täglich beeinflussen! 

Ich hoffe, diese Information hat euch ein wenig weiter geholfen.

Kommt gut durch den Winter!